Es sei $R$ ein kommutativer Ring mit Eins und $R$-$MOD$ die Kategorie von $R$-Moduln. Der Funktor $$\kappa\colon TOP(2)\to TOP(2)$$ schickt das Paar $(X,A)$ auf $(A,\emptyset)$.
2.0.1. Kohomologie-Axiome von Eilenberg-Steenrod. Eine Kohomologietheorie für Raumpaare besteht aus einer Familie $(h^n\mid n\in\mathbb Z)$ kontravarianter Funktoren $h^n\colon TOP(2)\to R$-$MOD$, sowie einer Familie $(\delta^n\mid n\in\mathbb Z)$ natürlicher Transformationen $\delta^n\colon h^n\circ \kappa\to h^{n+1}$, welche folgende Eigenschaften erfüllen:
\ldots \to h^{n+1}(X,A) \xleftarrow{\delta^{n}} h^n(A)\leftarrow h^n(X)\leftarrow h^n(X,A)\xleftarrow{\delta^{n-1}}\ldots
$$ exakt. Die nicht gekennzeichneten Abbildungen sind jeweils durch die Inklusionen induziert.
Déjà vu? Tatsächlich, bis auf die Richtung der Pfeile sind diese Axiome identisch mit den Axiomen einer Homologietheorie. Und auch die folgenden Notationen dürften vertraut sein: Den $R$-Modul $h^n(X,A)$ nennt man die $n$-te Kohomologie des Paares $(X,A)$. Die Homomorphismen $\delta=\delta^n$ heißen Differentiale oder Korand-Operatoren. Für die durch Abbildungen $f$ induzierten Morphismen $h^n(f)$ hat sich die Abkürzung $f^*$ eingebürgert. Bezeichnet $P$ einen einpunktigen Raum, so nennt man die $R$-Moduln $h^n(P)$ die Koeffizienten der Kohomologietheorie.
2.0.2. Definition. Die Kohomologie-Theorie $(h^n,\delta^n\mid n\in \mathbb Z)$ heißt gewöhnlich oder klassisch, wenn sie das Dimensionsaxiom erfüllt: Für die Koeffizienten der Kohomologietheorie gilt $h^n(P)=0$ für $n\not=0$.
2.0.3. Definition. Die Kohomologie-Theorie $(h^n,\delta^n\mid n\in \mathbb Z)$ heißt additiv, wenn gilt: Ist $(X_j,A_j), j\in J$ eine Familie von Raumpaaren und bezeichnet $$i_j\colon (X_j,A_j)\to \left(\sqcup_jX_j,\sqcup_j A_j\right)$$ die kanonische Inklusion in die topologische Summe, so sind die Abbildungen $$h^n\left(\sqcup_j X_j,\sqcup_jA_j\right)\to \prod_{j\in J} h^n\left(X_j,A_j\right) ,\quad m\mapsto \left(h^n\left(i_j\right)(m)\right)_{j\in J}$$ jeweils Isomorphismen.
Das obige Additivitätsaxiom ist nur bei unendlichen topologischen Summen relevant. Zweifel, ob dieses zur Homologie offenbar duale Konzept tatsächlich einen Mehrwert bringt, werden bald ausgemerzt.